Hintergründe
Es reicht nicht, nur die Symptome der Esssucht mit Diäten zu bekämpfen. Vielmehr ist es wichtig, auch die seelischen Ursachen des unbeherrschten Essverhaltens aufzuspüren
Die Aufnahme von Neuem führt zur Bewusstseinserweiterung. Der Ersatz von geistiger Nahrung durch stoffliche Nahrung führt zur Körpererweiterung. Hier stellt sich die Frage, wo man sich nicht
öffnen kann, wo man nicht hineinlassen kann, wo uns das Urvertrauen fehlt.
Der Esssüchtige sucht einen Ausweg. Er ersetzt die geistige oder seelisch notwendige Nahrung durch Essen. Dadurch vergrößert sich nicht der geistige Horizont, sondern nur die Ringe um Bauch und
Hüften.
Zuviel essen ist immer eine Ersatzhandlung. Der Esssüchtige lebt die Liebe nur im Körper, da er es ins Bewusstsein nicht schafft.
Man „frisst" alles in sich hinein. Das Resultat wird Kummerspeck genannt.
Die Suche nach Liebe, Bestätigung, Belohnung wird auf der falschen Ebene versucht zu befriedigen. Sehen wir uns einmal an, wie und was wir essen, wenn die Esssucht uns überkommt:
Süß, sahnig, schmelzend
Süßes ist ein Trost. Man will möglichst nicht kauen, keine Herausforderung annehmen, keine Arbeit damit haben. Schönes, Tröstendes aufnehmen in sich,
ohne dass es Anstrengung kostet. Weich soll es sein, im Mund zergehen. Man will sich nicht stellen, sondern etwas erhalten, für das keine Gegenleistung (kauen) zu erbringen ist.
Scharfes Essen
Ohne es zu wissen, ist sucht man neue Lebensinhalten und neue Reize, nach dem Motto: „Mir ist langweilig!". Die Überlegung läge nahe, diese nicht aus dem Kühlschrank zu befriedigen, sondern sich
neuen Aufgaben zu stellen, sich umzuschauen nach neuen Herausforderungen, Lernstoffen, Hobbys, neuen Menschen. Nur haben wir es verlernt, neuen unerwarteten Problemen neugierig und offen
entgegenzusehen, dieses im Bewusstsein der eigenen Kraft. Wir fürchten, plötzlich konfrontiert zu werden mit Dingen, die man vorher nicht abschätzen kann. Da geht man lieber auf Nummer Sicher. Die
Bedürfnisse werden auf einer Ebene befriedigt, die bekannt (ungefährlich) und überschaubar ist. Statt spannender und neuer Lebensinhalte, mit denen man Reiz und Abwechslung in den Alltag bringen
könnte, weicht man aus auf einen Reiz für Gaumen und Zunge.
Fleisch, Salat, knackiges Gemüse, herzhaftes Brot, Nüsse, Chips
Hier spielt der Wunsch eine Rolle, sich durchsetzen, sich durchzubeißen und etwas zu leisten. Widerstände einfach zu zermalmen. Aber auch hier wird eine Ersatzhandlung bevorzugt. Statt mutig auch
einmal eine Gratwanderung in Kauf zu nehmen, Widersachern die Stirn zu bieten, selbstbewusst ein Ziel anzustreben, sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen, Konkurrenten durch Leistung und
Durchsetzungsvermögen einfach hinter sich zu lassen - hier wieder statt dessen der Griff zu Steak.
Die Zähne zermalmen Salat und Karotten, statt dass der Intellekt die Gegner aus dem Feld räumt...
Da bleibt man lieber auf dem gefahrlosen Terrain des Tellers und kämpft die Schlachten mit Messer, Gabel und Zähnen.
Fetthaltige Nahrung
Fett ist der Hauptgeschmacksträger aller Genüsse. Alles auskosten, ohne es sich mühsam „verdienen" zu müssen, ist hier die (unbewusste) Motivation für denjenigen, der seine Mahlzeiten mit viel Fett
bereitet.
Der Sucht nachgeben, ist Feigheit vor dem Leben!
Statt die Bedürfnisse der Seele adäquat zu befriedigen, wird dem Körper ein „statt dessen" angeboten. Es liegt auf der Hand, dass man bei diesem Versuch, eine Befriedigung zu erlangen, mehr und mehr essen muss und nie wirklich satt wird. Wie kann man auch glauben, dass man seelischen Hunger materiell befriedigen kann?
